Eine inspirierende Geschichte über das Thema LRS und gering literalisierte Menschen

von Martina Rubbel genannt: „Mücke“ inkl. Gratis Geschichte

 Mutig zu sein bedeutet nicht, etwas zu tun, das für einen natürlich ist. 
Mutig zu sein bedeutet, sich seinen eigenen Ängsten zu stellen und etwas zu unternehmen,
auch wenn man sich zurückgehalten fühlt, weil man unsicher oder ängstlich ist.

Martina Rubbel

 

Dieser Beitrag ist eine Huldigung an das beeindruckende Herzprojekt von vielen bemerkenswerten Menschen, aber im Zentrum steht Martina, liebevoll „Mücke“ genannt. Alles begann mit einer ergreifenden Dokumentation im ZDF, die sich der Begleitung von Menschen mit geringen Lese- und Schreibkenntnissen widmete.

Die Ausstrahlung der Sendung ist für den 23. Dezember 2023 geplant: Sabine Heinrich begleitet Menschen auf ihrem Weg zu verbesserter Literalität. Weitere Informationen zum Sendestart findest du unter diesem Link zum ZDF. 

In dieser Dokumentation lernte Martina nicht nur viele wunderbare Menschen kennen, sondern auch Professorin Dr. Nicole Ramacher-Faasen, die die wissenschaftliche Leitung des Projekts übernahm. 

Mehr über Professorin Dr. Nicole Ramacher-Faasen findest du unter diesem Link: www.ramacher-faasen.de

Mit ihrer fachkundigen Unterstützung und Martinas unglaublichem Mut gelang es ihr in wenigen Monaten, das Unvorstellbare zu vollbringen. Sie las einen Text vor einem Publikum vor. Sie öffnete sich und gewann immer mehr Selbstvertrauen mit der professionellen Hilfe von Frau Ramacher-Faasen. Martina begann, ihre Geschichte niederzuschreiben, um allen Menschen mit geringen Lese- und Schreibkenntnissen Hoffnung zu geben, ihre Gefühle zu teilen und Verständnis für dieses wichtige Thema zu schaffen. 

Mittlerweile trägt sie ihre Geschichte vor einem Publikum vor. Vor nicht allzu langer Zeit wäre sie noch vor lauter Angst in Ohnmacht gefallen. Die Geschichte mit dem Titel "Hallo, ich bin Mücke!" findest du HIER als kostenlosen Download.

Zitat: Meine Herzensangelegenheit ist es, mit meiner Geschichte die Probleme der Kinder, die unter LRS leiden, für alle sichtbar zu machen. 

Wir von Rundfux sind der festen Überzeugung, dass diese Geschichte unter anderem in Schulen vorgelesen werden sollte. Sie macht Kindern und Erwachsenen Mut aus dem Schatten heraus zu treten und ihre eigene Stärke zu finden. Das Thema liegt uns sehr am Herzen, weil es immer noch in so vielen Bereichen ein großes Tabu ist.
Aus diesem Grund ist die Geschichte auch kostenlos zugänglich, um so viele Menschen wie möglich zu erreichen.

Zitat: Es ist notwendig, Staat und Schule in die Verantwortung zu nehmen. Legasthenie verwächst sich niemals von alleine. Was in der Schulzeit nicht bemerkt, ausgeglichen oder zumindest angegangen wurde, hat lebenslange Auswirkungen.

Im Folgenden findest du Martinas Steckbrief, um diese bemerkenswerte und mutige Frau und ihre Mission noch besser kennenzulernen:

 

Martinas Steckbrief und ihre Mission

Hallo, mein Name ist Martina Rubbel. 

Ich bin 1960 in Berlin-Neukölln geboren und lebe heute im schönen Schleswig-Holstein direkt an der Elbe.

Ich liebe es, mit meinem Mann und meinem Airedaleterrier Lennox in der Natur zu sein. Mit unserem Wohnmobil sind wir gerne in Polen, Frankreich oder auch kreuz und quer in Deutschland unterwegs.

Nach meinem Schulabschluss erlernte ich den Beruf der Schriftenmalerin. Danach ließ ich mich zur examinierten Altenpflegerin umschulen. Ich habe mich zur Pflegefachkraft für außerklinische Beatmung qualifiziert und zeitweise in meinem Beruf als Selbständige freiberuflich gearbeitet. 

Als zweites Standbein habe ich einen eigenen Hundesalon betrieben.

Als ich ungefähr zehn Jahre alt war, führte man mit mir auf Anraten meiner Lehrerin ein LRS-Test durch. Im Ergebnis wurde mir eine Legasthenie diagnostiziert. Weder von Schule noch Elternhaus erfolgte darauf irgendeine Reaktion. Es wurde nur festgestellt.

Heute beschäftige ich mich mit diesem Thema intensiver denn je und sehe, dass sich in den vielen Jahren seit damals nichts getan hat. Noch immer fehlt es zum Beispiel am Nachteilsausgleich für betroffene Kinder und am Verständnis des Umfeldes.

Deshalb wurde Mücke geboren. Meine Herzensangelegenheit ist es, mit meiner Geschichte die Probleme der Kinder, die unter LRS leiden, für alle sichtbar zu machen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass nicht jede Familie aus sich heraus aufgrund mangelnder persönlicher, sozialer oder finanzieller Ressourcen in der Lage ist, selbst für einen Nachteilsausgleich sorgen zu können.

Daher ist es notwendig, Staat und Schule in die Verantwortung zu nehmen. Legasthenie verwächst sich niemals von alleine. Was in der Schulzeit nicht bemerkt, ausgeglichen oder zumindest angegangen wurde, hat lebenslange Auswirkungen. Ich weiß das aus eigenem Erleben. Weitere Begleiterscheinungen wie Depressionen, Panikattacken oder Kompensation aus Angst davor, als Legastheniker „enttarnt“ zu werden, folgen oft zwangsläufig.

In meiner Reise mit Mücke versuche ich in einfacher Sprache und mit nachvollziehbaren Beispielen darzustellen, was es bedeutet und wozu es führt, wenn Elternhaus und Schule bei diesem Thema versagen. Es ist ein Ansatz aufzuzeigen, wie ohnmächtig und hilflos es macht, wenn alle mit dem Finger auf Dich zeigen und Du denkst, Du bist verkehrt.

Mücke wendet sich aber auch an Betroffene, damit diese mutig aktiv werden und den Versuch starten, ihr Trauma und ihre Ängste zu überwinden, um das Gefühl zu genießen, wie großartig ist, wenn man es schließlich geschafft hat.

Martina Rubbel, Oktober 2023

Meine Reise mit Mücke

Vorab ein paar Informationen:

Die Amygdala beeinflusst zusammen mit anderen Hirnregionen, wie dein Körper und Geist auf Situationen reagieren, die Stress oder Angst auslösen. 

Bei traumatisierten Menschen kommt es oft schnell und unerwartet zu Fehlalarmen in der Amygdala, die dann bei den Betroffenen 

Angst, Panik, Schwitzen, erhöhten Puls, Unwohlsein, Ohnmacht oder Fluchtreize auslösen können.

Das ist sehr unangenehm, weil der Mensch sich vielen Alltagssituationen nicht mehr stellen kann, die eigentlich ganz selbstverständlich zum Leben gehören.

Jetzt, nachdem alle wissen, was eine Amygdala ist, möchte ich Sie auf eine Reise mitnehmen.

Wir wünschen uns von Herzen, dass diese Geschichte vielen Kindern und Erwachsenen Mut macht!

 

4 Comments

  1. Roswitha Senf sagt:

    Liebe Martina, ich finde es so unglaublich mutig, dass Du Dich Deinen Ängsten und Deiner Lese- und Rechtschreibschwäche gestellt hast. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie schwer das gewesen sein muss. Du hast meinen großen Respekt.
    Und dann hast Du auch noch ein Buch geschrieben, einfach unglaublich toll.
    Ich hoffe so sehr, dass anderen Erwachsenen und Kindern damit geholfen werden kann!
    Alles Gute für Deinen weiteren Weg und eine Traumquote für die Sendungen im Dezember.
    Ich selbst hatte so große Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung in der Schule, und keiner hat sich dafür interessiert. Ich hatte aber während meiner Sekretärinnen Ausbildung eine fantastische Nachhilfelehrerin und habe dann meinen Weg in ein erfolgreiches Arbeitsleben gestartet.
    Herzlichst Rosi

  2. Liebe Martina,
    ganz lieben Dank für diese wunderbare Geschichte und deinen Einblick in deine Erfahrungen mit einer LRS. Ich habe richtig Gänsehaut bekommen, als ich an der Stelle war, wo die Zöpfe abgeschnitten wurden.
    Deine Geschichte macht Mut und ich teile sie sehr gerne in meinem Newsletter, auf Social Media und werde sie auch meinen Schülern vorlesen.
    Weil deine Geschichte so besonders ist, habe ich sie auch in meinem Blogbeitrag mit Mutmachgeschichten für Schüler mit einer LRS oder Rechenschwäche aufgenommen.

    https://www.lerntherapie-vs.de/emotionale-staerkung/mutmachgeschichten/

    Ich freue mich auf unser Treffen im Lerntherapeuten Netzwerk im Januar.
    P.S. ich komme auch aus Berlin-Neukölln:-) wohne jetzt aber im Schwarzwald.

    Lieben Gruß
    Susanne Seyfried

  3. Gerold Willmes sagt:

    Hallo Martina,
    das ist ja eine Überraschung, und ich zolle dir viel Respekt für deinen Mut und die Offenheit mit der du sicher viel Anerkennung und Wertschätzung erhalten wirst. Es wird sicherlich viele Kinder als auch Erwachsene mit LRS inspirieren sich mehr zu öffnen und es dir gleichtun, sei es auch nur in kleinen Dingen.
    Alles Gute und viel Erfolg wünscht dir Gerry

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